MINT
Bessel-Schüler schicken Sonde bis an den Rand des Weltalls
Selbstgebautes Fluggerät steigt fast 40.000 Meter hoch – MINT-Projekt begeistert Hunderte Zuschauer auf dem Sportplatz
Fast 40 Kilometer hoch, Temperatur unter minus 50 Grad Celsius – und mittendrin eine selbstgebaute Sonde aus Minden:
20 Schülerinnen und Schüler des Besselgymnasiums haben im Rahmen eines MINT-Projekts einen Wetterballon an den Rand der Stratosphäre geschickt.
Nach rund drei Stunden Flugzeit landete die Sonde wohlbehalten in einem Feld bei Lotte, westlich von Osnabrück.
Initiiert und begleitet wurde das Projekt von MINT-Koordinator Martin Lembcke.
Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis Q1, die sich in sechs Gruppen aufteilten und über Wochen auf den Start hinarbeiteten.
Sechs Teams, ein Ziel
Eine Gruppe kümmerte sich um den Bau der Sonde selbst und musste dabei vor allem eines lösen: wie die empfindliche Technik an Bord die extreme Kälte in großer Höhe übersteht. Isolierung war hier das Stichwort. Eng damit verzahnt arbeitete das Technik-Team, das die Sonde mit einem Datenlogger, einer Actioncam und gleich zwei GPS-Trackern zur späteren Bergung ausstattete. Jedes Gerät wurde vor dem Start ausgiebig getestet.
Eine weitere Gruppe entwickelte eigene Experimente für den Flug:
Eine fluoreszierende Flüssigkeit sollte die deutlich erhöhte UV-Strahlung in der Stratosphäre sichtbar machen, ein Schaumkuss musste beweisen, wie er auf den extrem niedrigen Luftdruck in großer Höhe reagiert.
Auch der Frage, warum Alkohol selbst bei minus 50 Grad nicht gefriert, gingen die Jungforscher nach.
Um Öffentlichkeitsarbeit und Verpflegung kümmerte sich ein eigenes Team – nicht ohne Erfolg: Beim Start auf dem Besselsportplatz verfolgten mehrere Hundert Zuschauerinnen und Zuschauer das Spektakel live, bei sommerlichen Temperaturen sorgten rund 100 Kaltgetränke für zusätzliche Stimmung. Eine weitere Gruppe organisierte den Standort und befüllte den 1.600 Liter fassenden Wetterballon mit Helium.
Der Start
Vor dem Abflug wurden alle Komponenten ein letztes Mal überprüft, der Sondenkörper mit Panzertape luftdicht verschlossen und isoliert, die Schnüre für Fallschirm und Ballon nach genauen Vorgaben verknotet. Dann hieß es Abschied nehmen: Mit einer Steiggeschwindigkeit von etwa 10 Metern pro Sekunde entfernte sich die Sonde zunehmend vom Sportplatz, bis der Punkt am Himmel für die Zuschauer schließlich nicht mehr zu erkennen war.
39.474 Meter Höhe
Die Sonde erreichte eine maximale Höhe von 39.474 Metern, bevor sie in den Sinkflug überging. Dank eines eingebauten Fallschirms kam sie nach etwa drei Stunden Flugzeit vollständig unbeschädigt am Boden an. Ein eigens dafür zusammengestelltes Bergungsteam machte sich nach etwa einstündiger Anfahrt auf die Suche – und wurde bei Lotte fündig.
Die Sonde war auf einem Feld gelandet, das den Aufprall zusätzlich abfederte.
Mehr als Theorie
Neben spektakulären Videoaufnahmen der Actioncam lieferte der Flug den Schülerinnen und Schülern auch verwertbare Messdaten zu Höhe, Temperatur sowie Steig- und Fallgeschwindigkeiten. Für das Projektteam stand am Ende jedoch mehr im Vordergrund als reine Zahlen: Die Jugendlichen konnten ihr Wissen aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern praktisch anwenden und sammelten dabei Erfahrungen im Planen, Konstruieren und Auswerten eigener Experimente. Zugleich lernten sie, im Team zu arbeiten, Probleme zu lösen und kreative Lösungen zu entwickeln.
„Dieses Projekt zeigte sehr eindrucksvoll, wie spannend Wissenschaft sein kann, wenn man Theorie und Praxis miteinander verbindet“, resümiert das Projektteam. Ein Projekt, das nach Ansicht der Beteiligten genau das leisten kann, was MINT-Förderung erreichen soll: Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik zu wecken – und das weit über den Schulhof hinaus sichtbar zu machen.
Projektteam: Raphael Vasias (für die Schülerinnen und Schüler),
Koordination: Martin Lembcke